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Das große Tabu

Sexueller Missbrauch im Sport

Es ist ein gesellschaftliches Problem von ungeahnten Dimensionen. Doch in der deutschen Öffentlichkeit ist nur wenig davon zu hören. Auch weil kaum jemand darüber spricht: sexueller Missbrauch im Sport. Dabei sind die Zahlen erschreckend. Neueste Studien gehen davon aus, dass es im Sport genauso viele Betroffene gibt wie in der Katholischen und Evangelischen Kirche zusammen. Zwar wurde noch kein vergleichbarer Skandal wie im englischen Jugendfußball bekannt mit mittlerweile über 850 Betroffenen und über 300 mutmaßlichen Tätern. Trotzdem ist sexueller Missbrauch im Sport auch in Deutschland alltäglich. Das zeigt die Dokumentation „Das große Tabu“.

 

Der Film begibt sich auf die Suche nach Bedingungen und Strukturen, die sexuellen Missbrauch ermöglichen und begünstigen. An eindrücklichen Beispielen aus dem In- und Ausland zeigt die Dokumentation, warum gerade der Sport so gefährdet ist. Generell gibt es aufgrund der körperlichen Nähe in Training und Wettkampf vielfältige Gelegenheiten für sexuelle Übergriffe. Und: Ehrenamtliche Strukturen verschaffen potentiellen Tätern als freiwillige Helfer leichter Zugang zu Kindern und Jugendlichen als in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen. Außerdem ergeben sich vor allem im Leistungssport besondere Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Trainern, Betreuern und jungen Sportlerinnen und Sportlern.

 

Auch wenn die Sportverbände in ihren Satzungen formale Regelungen für den Kinderschutz formulieren, um ihre staatlichen Fördergelder nicht zu verlieren, greifen diese in der Praxis oft nicht. Das beschreibt auch ein Beispiel aus dem Turnen, in dem es vor Gericht um 82 Fälle sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener ging. Alle hätten konsequent weggesehen, bescheinigte das Gericht in der Urteilsbegründung den Verantwortlichen im Verein und dessen Umfeld. Ein Fall, stellvertretend für wahrscheinlich Tausende weiterer Fälle in den vergangenen Jahrzehnten. Der Film fragt nach der Rolle von Vereinen, Verbänden, Trainern, Funktionären, Eltern und der Politik. Und er stellt die zentrale Frage: Wer schützt die Opfer und verhindert neue?

 

Ein Film von Andrea Schültke